Wie löse ich physikalische Aufgaben?

    Mechanik:  Freier Fall mit Bonus

Aufgabe:

An zwei überander befindlichen Ästen hängt je ein Apfel. Der untere Ast befindet sich in der Höhe h1 = h = 5 m, der obere in der Höhe h2 = 10 m = 2.h. Zuerst fällt der oberste Apfel. Wenn er auf der Höhe des unteren Apfels ist, beginnt dieser auch zu fallen.

a) Skizzieren Sie ein t-x- und ein t-v-Diagramm!

b) Zu welchen Zeiten treffen die Äpfel auf den Boden auf?

c) Der erste Apfel startet im Vergleich zum 2. aus der doppelten Höhe. Hat er auch die doppelte Geschwindigkeit beim Aufprall ?

So könnte Ihre Lösung im Heft stehen.

Hilfreich ist es dabei besonders, wenn Sie darauf getrimmt sind, die Grundgleichungen für Zeitintervalle (Dt) zu verwenden. Alle bisher behandelten Fälle sind danach in den Grundgleichungen enthalten:

Grundgleichungen jeweils gültig in einem Zeitintervall mit einheitlicher Bewegung bzw. Beschleunigung; falls sich die Art der Bewegung oder die Beschleunigung ändert, muss ein neues Zeitintervall gewählt werden mit anderen Werten für a, v0 und Dt
 a = konst
 v = v0 + Dv     Dv  = a . Dt  
  x = x0 + Dx   Dx = v0 . Dt + ½ .a .Dt2

oder nach dem PUB (Prinzip der Unabhängigkeit der Bewegungen):

  x = x0  +   v0 . Dt + ½ .a .Dt2  
  v =            v0          +      a . Dt

Ziel ist es hier, Lösungsverfahren einzusetzen, die weder viel "Wissen" voraussetzen, noch eine Formelsammlung. Statt in irgendwelche fertigen "Formeln" einzusetzen, bietet es sich in diesem Sinn an, immer von Grundformeln oder allgemeinen Lösungsverfahren, wie dem Flächenverfahren, auszugehen.

Lösen Sie Bewegungsaufgaben niemals ohne Graphen!

Aufgabe

Lösung / Kommentar

a) Vorbereitung: Beschreibung der Bewegung im t-x-Diagramm; Wahl des Koordinatensystems:

Das Koordinatensystem kann unterschiedlich festgelegt werden. Hier wird als Ursprung willkürlich der Boden gewählt. Die positive Richtung soll nach oben gehen. Sowohl Fallbeschleunigung als auch Geschwindigkeit sind also bei dieser Wahl negativ.

Der 1. Apfel startet am Ort x1,0 = 2.h, der 2. am Ort x2,0 = h.

Die Beschleunigung ist a = -g.

Um zu Ansätzen zu kommen, sollten Sie zuerst das t-v- und das t-x-Diagramm für beide Äpfel (im gleichen Koordinatensystem) skizzieren:

Da sich beide Äpfel entgegengesetzt zur gewählten positiven Richtung bewegen, sind beide Geschwindigkeiten negativ. Beide erfahren die gleiche negative Fallbeschleunigung; im t-v-Diagramm haben ihre Graphen also gleiche negative Steigung.

Die farbig unterlegte Fläche entspricht der Fallstrecke (für den 1. Apfel: gelb, 2.h / für den 2. Apfel: grün / h).

Dem Bild kann man etwas entnehmen, was man von vornherein hätte wissen können: Beide Äpfel brauchen - nach Start aus der Ruhe - für die Strecke h die gleiche Zeit t1. Der zweite Apfel kommt also zur Zeit T2 = 2. t1 auf dem Boden auf.

b) Zu welchen Zeiten treffen die Äpfel auf den Boden auf? Rechnerisch mit den Gesetzen der Bewegung:

a) Für die jeweiligen x-Koordinaten gilt:

Apfel 1: (1) x(t) = 2.h - ½ g . t2

Apfel 2: (2) x(t) = h - ½ g Dt2

Beachten Sie die jeweiligen Anfangsorte  x1,0 = 2.h und x2,0 = h.

Aus den beiden Gleichungen erhält man den Auftreffzeitpunkt t ( = T1 ) des 1. Apfels bzw. Dt für den 2. Apfel, weil beim Auftreffen jeweils x = 0:

x(t)  = 0 =>

t = sqr( 4.h/ g ) =  1,4 s = T1

Dt = sqr ( 2h/g) = 1,0 s

Es fehlt noch die Startzeit des 2. Apfels:

(3) x (t1) = 2.h - ½ g . t12

Weil der Apfel 2 beim Passieren des Apfels 1 am Ort h startet, gilt x(t1) = h. Also:

(3') h = 2.h - ½ g . t12

Es ergibt sich t1 = sqr ( 2h/g) = 1,0 s

Daraus erhält man für die Auftreffzeit T2 = 2. t1 = 2. sqr (2h/g) = 2,0 s.

b) Auch mit dem Flächenverfahren kann man argumentieren! Versuchen Sie's!

Auf jedem Fall kann man dem t-v-Diagramm entnehmen, dass T1 < 2.t1 sein muss, damit die gelbe Dreiecksfläche (h) gleich der gelben Trapezfläche incl. dem kleinen grünen Dreieck ist!


Antwortsatz:

Der 1. Apfel durchfällt die erste Hälfte der Strecke (also h) in der gleichen Zeit, wie der 2. Apfel seine gesamte Fallstrecke h durchfällt. Der 2. Apfel trifft also nach der doppelten Zeit seit dem Start des 1. Apfels auf. Zur Zeit t1 = 1,0 s startet der 2. Apfel, zur Zeit T1 = 1,4 s kommt der 1. Apfel auf dem Boden auf, zur Zeit T2 = 2,0 s der 2. Apfel.

c) Der erste Apfel startet im Vergleich zum 2. aus der doppelten Höhe. Hat er auch die doppelte Geschwindigkeit beim Aufprall ? Nach dem t-v-Diagramm natürlich nicht: Zwar hat der 1. Apfel beim Passieren des 2. Apfels die gleiche Geschwindigkeit wie der 2. später beim Aufprall . Für die zweite Hälfte der Strecke braucht aber der 1. Apfel weniger Zeit, da er hier stets schneller ist. Die Zeit T1 ist also nicht gleich der doppelten Zeit t1 . Der 1. Apfel hatte also bis zum Aufprall noch nicht genügend Zeit, um auf die doppelte Geschwindigkeit beschleunigt zu werden.

Hinweis: Mit dem Energieerhaltungssatz würden genauere Ergebnisse folgern: Der 1. Apfel müsste schon die 4-fache Starthöhe und damit die 4-fache Lageenergie haben, um beim Aufprall auch die 4-fache kinetische Energie, also die doppelte Geschwindigkeit zu haben.

Hinweise:

Der Ausgang von den Zeitintervallen (Dt)   führt unmittelbar zur Verwendung der richtigen Zeitdifferenzen!

Ohne die Graphen haben Sie kaum eine Chance, die richtigen Ansätze zu finden!

Denken Sie sich ähnliche Vorgänge aus und üben Sie zunächst nur, die zugehörigen Graphen richtig zu zeichnen. Dann könnten Sie dazu Ansätze machen und die Rechnung durchzuführen.