PHYSIK-LERNEN MIT DEM COMPUTER
Beschleunigte Bewegung: Galileis
Darmsaitenmethode
Horst
Hübel |
|
|
||
Ein Zeit-Ort-Diagramm oder auch ein Zeit-Geschwindigkeit-Diagramm der beschleunigten Rollbewegung längs einer schiefen Ebene (Kugelrinne, Fallrinne) soll registriert werden. Mittels Tastendruck wird die jeweilige Zeit beim Passieren einer Marke vom Computer gestoppt und registriert.
Nachdem die mittelalterlichen Wissenschaftler die Notwendigkeit erarbeitet hatten, die Natur mittels Messungen zu erfassen (z.B. Roger Bacon ca. 1220 - 1292), war Galileo Galilei (1564 - 1642) der erste, dem dies bei einer beschleunigten Bewegung wirklich gelang. Es ging bei ihm um die Gesetze des Freien Falls. In Ermangelung geeigneter Kurzzeituhren wandte er dazu zwei Tricks an: erstens verlangsamte er die Bewegung, indem er eine Kugel eine nur schwach geneigte schiefe Ebene hinabrollen ließ, zweitens markierte er Wegabschnitte, für die jeweils die gleiche Zeit benötigt wird. Galilei spannte zu diesem Zweck Darmsaiten quer über die Fallrinne. Wenn nun die herabrollende Kugel über sie hinwegsprang, gab es einen kurzen Ton. Galilei verschob die Darmsaiten solange, bis gleichmäßige Zeitabstände zwischen den Marken bestanden. Er kontrollierte das angeblich, indem er eine Melodie summte. Menschen mit gutem Rhythmusgefühl können so Zeitabschnitte sehr genau einhalten.
Der Versuch soll hier, etwas abgewandelt,
wiederholt werden: Verwenden Sie als schiefe Ebene eine Vorhangschiene oder
eine U-förmige Alurinne aus einem Bastelgeschäft oder Baumarkt.
Lassen Sie eine Kugellagerkugel hinabrollen oder eine Murmel. Bringen Sie
mit einem Filzstift irgendwelche Marken an und stoppen Sie die Zeiten von
Marke zu Marke mit dem vorliegenden Computer-Programm.
In einer Versuchsvariante kann auch für
beliebige Marken, z.B. äquidistante, das x(t)-Diagramm aufgenommen werden.
Das Stoppsignal kann außer von der Tastatur auch von einem
äußeren Signalgeber, z.B. von Lichtschranken kommen.
- Wie erfolgt eine beschleunigte Bewegung?
- Zeit-Ort-Gesetz x(t) einer gleichmäßig beschleunigten Bewegung?
- Zeit-Geschwindigkeit-Gesetz v(t)?
- Definition der Beschleunigung als Steigung im v(t)-Diagramm?
- Einfluß der Bahnneigung?
- Proportionalität zwischen Hangabtriebskraft und Beschleunigung?
- Einfluß des Trägheitsmoments der rollenden Kugel auf die Beschleunigung? (Vergleich mit einer gerechneten Gleitbewegung)?
- Auswertungsverfahren für gleichmäßig beschleunigte Bewegungen: x(t)-Diagramm, ¹x(t)-Diagramm?
- 2. Gesetz von Newton (F prop. a bei konstanter Masse)
Schülerversuche im Klassenverband mit mehreren Gruppen; häuslicher Schülerversuch am schülereigenen Computer; Demonstrationsversuch an Schulen mit geringer Ausstattung
Mit Stativmaterial oder mit untergelegten Diagläsern, Disketten etc. könnte eine bestimmte Steigung der schiefen Ebene vorgegeben werden. Bei der dann bekannten Hangabtriebskraft könnte die Beschleunigung bzw. das x(t)-Diagramm bei einer Gleitbewegung (ohne Reibung) berechnet werden. Auf die unterschiedliche Beschleunigung bei der Rollbewegung und bei der Gleitbewegung der Kugel könnte im Zusammenhang mit dem Trägheitsmoment hingewiesen werden.
Wegen der Einfachheit des Versuchs wurde
dieses Programm eigentlich für Stoppen durch Tastendruck
entwickelt.
In manchen Programm-Varianten können externe Signale zum Messen herangezogen werden.
![]() |
| Wurzel aus dem Ort x in Abhängigkeit von der Zeit: Die Linearität bestätigt die quadratische Gesetzmäßigkeit für den Ort x |
![]() |
| Ort x in Abhängigkeit von der
Zeitdifferenz zwischen 2 Messungen: Die Marken sind günstig gewählt,
so daß im Rahmen der Meßgenauigkeit gleiche Zeitdifferenzen zwischen dem Passieren aufeinanderfolgender Marken |
![]() |
| Großanzeige von Zeit t und Ort x, z.B., wenn das Programm in einem Demonstrationsversuch eingesetzt werden soll |
![]() |
Wurzel aus dem Ort x in Abhängigkeit von der Zeit t für verschiedene Bahnneigungen |
![]() |
Geschwindigkeit v in Abhängigkeit von
der Zeit, gemessen nach der Zeitmittenmethode: |
![]() |
Geschwindigkeit v in Abhängigkeit von der Zeit t bei verschiedenen Bahnneigungen |
![]() |
Geschwindigkeit v in Abhängigkeit von
der Zeit t mit Steigungsdreieck, das mit der |
Zur Zeitmittenmethode:
Die Zeitmittenmethode erlaubt es,
Momentangeschwindigkeiten bei gleichmäßig beschleunigten Bewegungen
exakt für beliebige endlichen Zeitintervalle aus einer Messung zu
ermitteln.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit v = dx/dt
in einem Intervall dt stimmt i.A. nicht mit der Momentangeschwindigkeit an
den Intervallrändern überein. Dies wird häufig benutzt, um
eine Verbindung zwischen dem Begriff der Momentangeschwindigkeit und der
Definition der Ableitung durch den Grenzübergang verschwindenden
Zeitintervalls zu diskutieren.
Physikalisch natürlicher ist es, die
Durchschnittsgeschwindigkeit im Intervall nicht einem Intervallrand zuzuordnen,
sondern der Intervallmitte ('Zeitmitte'). Wenn sich in einem Zeitintervall
dt die Momentangeschwindigkeit ändert, ist die Annahme plausibel, daß
die Durchschnittsgeschwindigkeit der Momentangeschwindigkeit in der Mitte
des Zeitintervalls am nächsten kommt. Bei Bewegungen mit a = konst.
stimmt die Durchschnittsgeschwindigkeit, wie man leicht nachrechnen kann,
mit der Momentangeschwindigkeit in der Zeitmitte sogar exakt
überein:
| t: | . | v1 = v0 | x1 = x0 |
| t+dt: | v2 = v0 + a.dt | x2 = x1 + v0.dt + 1/2.a.dt2 | |
| . | vD =( x2 - x1 ) /dt = v0 + 1/2.a.dt | . | |
| t + 1/2.dt: | v = v0 + 1/2.a.dt = vD | . |
Statt - im Interesse der Infinitesimalrechnung - physikalisch gewaltsam die Durchschnittsgeschwindigkeit dem Intervallrand zuzuordnen, kann es sich empfehlen, die physikalisch naheliegendere Zuordnung vorzunehmen, zumal da diese bei den schulischen Bewegungen meist sogar exakt ist.
Im Programm wird demnach die Durchschnittsgeschwindigkeit in beliebigen Zeitintervallen der Zeit der jeweiligen Intervallmitte zugeordnet. Deshalb werden Ortsmessung und v-Messung im Programm getrennt, da Ort x und Geschwindigkeit v zu verschiedenen Zeiten gelten (am Intervallanfang bzw. zur Intervallmitte).
Zur Herleitung des 2. Gesetzes von Newton:
Bei der Bahnlänge l und der Überhöhung h gilt für die Hangabtriebskraft FH = m.g. h/l. Die beschleunigende Kraft ist also proportional zur Höhe h. Die gesuchte Proportionalität zwischen a und FH ist also gleichbedeutend mit der Proportionalität a prop. h. Diese gilt auch nach der korrekten Theorie, wenn das Drehmoment und das Trägheitsmoment der rollenden Kugel berücksichtigt werden. Es muß sorgfältig durch eine kleine anfängliche Bahnneigung für Reibungsausgleich gesorgt werden.
| MENÜPUNKTE | zurück |
| I DESK | I.1 QUIT Bricht das Programm
ab.
I.2 START Beginnt eine neue Messung.
Das Programm verbleibt zunächst in einem Wartemodus. Dabei ertönt
ein Pfeif ton, wenn die Startbedingungen günstig sind (z.B. wenn die
Lichtschranke, die das Startsignal geben soll, noch nicht unterbrochen ist,
oder wenn das Programm auf den startenden Tastendruck wartet. Erst nach erneu
ter Betätigung einer Taste oder einer Maustaste startet die Uhr bzw.
ist bereit zum Start durch ein externes Signal. I.3 INFO Informiert über das Programm, erläutert einige der Fra gestellungen, die mit Hilfe des Programms bearbeitet werden können.
I.4 AUTOR Nennt den Autor des
Programms. I.5 LIZENZ Bringt die Adresse des Lizenznehmers auf den Bildschirm. |
| II MESSART | II.1 HANDSTOPP Schaltet um zwischen
Stoppen durch Tastendruck EIN/AUS oder durch externes
Signal.
II.2 ÄQUIDISTANZ Meldet dem
Computer äquidistante Marken. Der Computer fragt dann nach der Zahl
der Messungen und den Abstand der äquidistanten
Marken.
II.3 x-EINGABE Meldet dem Computer,
daß willkürliche Ortsmarken benutzt werden sollen. Das Programm
fragt dann nach der Zahl der Marken und deren Positionen. Die folgenden Funktionen sind evtl. nicht implementiert oder funktionieren mit neueren Betriebssystemen nicht:
II.4 1 SIGN.: ssss Bei externem Signal:
Stoppt bei jeder steigenden Flanke.
II.5 2 SIGN.: ffff Bei externem Signal:
Stoppt bei jeder fallenden Flanke.
II.6 3 SIGN.: sfsf Bei externem Signal:
Stoppt bei jeder steigenden und fallenden Flanke. Start mit steigender
Flanke. II.7 4 SIGN.: fsfs Bei externem Signal: Stoppt bei jeder steigenden und fallenden Flanke. Start mit fallender Flanke. |
| III MODUS | III.1 ORTSMESSUNG Registriert
Ort x und Zeit t. Läßt nur Ausgabe von x und
Öx in Abhängigkeit von t
zu.
III.2 v-MESSUNG Registriert
Geschwindigkeit v und Zeit t. Läßt nur Ausgabe von v in
Abhängigkeit von t zu. v wird nach der Zeitmittenmethode ermittelt,
die bei konstanter Beschleunigung exakt ist. Die folgenden Funktion ist evtl. nicht implementiert oder funktionieren mit neueren Betriebssystemen nicht: III.3 INTERFACE-TEST Bei externem Signal: Zeigt akustisch Änderungen des Zustands des Zeitmeßeingangs PIN 13 (PC) bzw. PIN 11 (ATARI ST) an. |
| IV GRAFIK | IV.1 WAHL: x(t) Falls Ortsmessung
gewählt: Erlaubt Ausgabe von x(t).
IV.2 WAHL: SQR(x(t)) Falls Ortsmessung
gewählt: Erlaubt Ausgabe von Öx(t).
Zwischen beiden Einstellungen kann frei umgeschaltet werden. Die Auftragung
von Öx ist insbesonde e dann sinnvoll, wenn
die quadratische Gesetzmäßig keit von x(t) bestätigt werden
soll (Gerade für t-Öx-
Diagramm). IV.3 WAHL: v(t) Falls Geschwindigkeitsmessung gewählt: Erlaubt allein Ausgabe von v(t). Wird automatisch eingestellt, wenn v-Messung gewählt wird. IV.4 ZEIGEN Bringt den gewählten Graphen auf den Bildschirm; überschreibt frühere Meßkurven. IV.5 LÖSCHEN Löscht den Bildschirm, nicht aber die Meßdaten. Diese können erneut in einem sonst leeren Koordinatensystem gezeigt werden.
IV.6 ZEITDIFFERENZ Schaltet um zwischen
Messung der Gesamtzeit EIN/AUS seit Start (Voreinstellung) und Messung
von Zeitdifferenzen zwischen zwei aufeinanderfolgenden Messungen. Insbesondere
für den originalen Galilei-Versuch ist diese Meßart
zweckmäßig.
IV.7 y-FAKTOR Ermöglicht
Maßstabsveränderungen, so daß der Bild schirm optimal genutzt
wird. IV.8 t-FAKTOR Ermöglicht Maßstabsveränderungen, so daß der Bild schirm optimal genutzt wird. |
| V AUSWERTUNG | V.1 GROßZIFFERN Gibt eine
Liste von Meßdaten in Großzifferndarstellung aus. Wartet nach
jeder Ausgabe auf einen Tastendruck.
V.2 LISTE Bringt eine Liste der
Meßdaten je nach Wahl der Messart auf den
Bildschirm.
V.3 DRUCKEN Gibt eine Liste der
Meßdaten je nach Wahl der Meßart auf dem Drucker
aus. V.4 AUSGLEICHSKURVE Zeichnet zusätzlich in den Graphen eine Ausgleichskurve (Parabel oder Gerade). V.5 STEIGUNGSDREIECK Zeichnet zu einer Geraden ein Steigungsdreieck ein an Positionen, die durch die Maus festgelegt werden. Die Längen der Katheten werden ausgegeben. Eine einfache Ermittlung "per Hand" der Steigung ist so möglich. V.6 HARDCOPY Gibt die Bildschirmgraphik auf einem EPSON-kompatiblen Drucker aus. V.7 BESCHLEUNIGUNG Ermittelt aus den Daten der Ausgleichskurve die Beschleunigung. Aus didaktischen Gründen ist diese Funktion nicht in allen Fällen sinnvoll einzusetzen. |
| VI DISK | VI.1 LADEN Lädt eine Datei
von Meßdaten aus einem frei wählbarem Verzeichnis.
VI.2 SPEICHERN Speichert eine Datei von Meßdaten in ein frei wählbares Verzeichnis. |
[1] Drake, Stillman, The Role of Music in Galileo's Experiments, Scientific American, 1975, S. 98
[2] Fölsing, Albrecht, Galileo Galilei, Prozeß ohne Ende, München, Zürich, 1983