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Lückentext 2
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Der Zeitungsjunge
Felix wu
te genau, wie
viel Zeitungen in jedes Haus kamen, er wusste, an welchen Türen er klingeln mu
te oder nur klopfen durfte, er kannte die Häuser, diese Gebirge, voll von unbekanntem Leben ... Heute dauerte es lange. In diesen Tagen mu
ten sie das Monatsgeld einsammeln. Felix hatte eine alte kleine Leder
tasche um; er war stolz, da
er sie tragen durfte, da
Geld darin kli
te. Es gehörte ihm nicht, aber er war zufrieden
dass er so viel trug. Von Tür zu Tür sagte er den gleichen Satz:
Guten Tag
ich bitte um das Zeitungsgeld
und er war zäh, gab die Quittung nicht eher aus der Hand, als bis er das Geld in seine Tasche legen konnte. Manche Frauen sagten,
ie hätten heute kein Geld; morgen sollte er noch einmal fragen. Andere gaben es ihm verdrie
lich und mu
ten, die Zeitung sei viel zu teuer. Das rü
rte ihn nicht. So stieg der Knabe in dem mächtigen alten Hause empor, klingelte, wartete ... rannte weiter, und so stand er vor der Tür, an der ein glänzendes Schild hing.
Die Buchstaben fügten sich zum Namen Gesenius. Oft hatte er ihn schon gelesen; auch jetzt ging sein Auge an dem Wort entlang. Er drückte auf den Klingelknopf, hörte den Ton schri
in der Wohnung. Dämmerlicht flo
aus dem Zimmer auf den Flur. Eine ältere Frau machte die Tür auf. "Der Zeitungsjunge
sagte Felix
"ich möchte das Monatsgeld." - "Komm herein, Junge", sagte die Frau und ging ihm voraus; er blieb in dem Flur stehen. Die Frau ging in das Zimmer hinein. Felix hörte, wie die Stimme eines alten Mannes aus einem anderen Zimmer fragte: "Wer ist da
- "Der Zeitungsjunge
antwortete die Frau. "
annst du herausgeben?" fragte sie aus dem Zimmer. - "Nein." Der Mann war wohl krank und lag im Bett. Und wieder schien die Frau zu suchen. Für immer drang der Flur in das Ged
chtnis des Jungen ein, die dä
erige Stille, das unablässige, harte Geräusch einer Uhr, all das stumme Leben der Gegenstände, ... dann der Gegenstand, der sein ganzes Leben immer fester an sich zog: auf dem Tischchen eines gro
en Spiegels eine goldene Uhr. ... Felix hörte die Frau kommen und trat an die Tür zurück. "Ich habe es doch passend machen können
sagte sie und zählte ihm das Geld in die Hand. "Du schwitzt ja mächtig." Er machte die Tasche auf, nahm die Quittung heraus, schob das Geld hinein. "Wart noch einen Augenblick", sagte die Frau. "Für
ein langes Warten sollst du etwas haben." Sie ging wieder in das Zimmer zurück. Der Knabe war von seinem
asein fort
gezogen. War er es, der an das Tischchen trat, einen Augenblick die Kühle des Goldes spürte
die Uhr in die Hosentasche steckte
Er merkte, da
er rot wurde
und trat in die Dämmerung zurück. Die Frau kam
gab ihm zwei große Äpfel, sagte lächelnd: "So
die lass dir auf dem Wege schmecken." Felix fühlte sich davon
gehen, hörte sich auf
iedersehen sagen, vielen Dank, sp
rte die Kühle des Treppen
hauses. Dies alles war es nicht, eine andere Hand als die
eine hatte die Uhr ergriffen und in seine Tasche getan. Da war die Uhr, er hatte sie fortgenommen, nun gehörte sie ihm. Aber sie war gest
len. Felix nahm sein Taschentuch hervor, wickelte die Uhr hinein, ging aus dem Haus. Von Haus zu Haus flog der Knabe nun in rastloser Jagd, aber noch nie, noch nie war ein Nachmittag so langsam vergangen. Wenn er eine Tür öffnete, fing sein Herz an zu rauschen. Immer - so raunte sein Herz sich Entschuldigungen zu -, immer hatte er sich eine Uhr gewünscht; sie konnten
eine kaufen, und jetzt hatte er eben eine, und wenn andere Äpfel und Birnen stahlen, er hatte eine Uhr genommen. Aber er konnte sich an ihr nicht freuen.
Er stand vor einer Tür und wollte klingeln, um das Zeitungsgeld zu fordern, da las er auf dem Schild: Wagner
Polizeiwachtmeister. Das Wort fla
te ihn an, brannte in sein
nnerstes, der Schwei
brach ihm hervor, er konnte hier nicht bleiben.
lingelte er, so würde der Mann herauskommen, ihn nur anschauen und sagen: Komm mal her, mein Junge und r
um deine Tasche aus,
u Dieb. Die Frau gibt
ir zwei Äpfel, und
u nimmst die Uhr. Und dann würde er ihn fort
führen, durch alle Stra
en in das Gefängni
. Felix flog die Straßen hinunter. Und er ging und ging, und er war müde wie nie, ganz trocken im Hals, als würde er krank. Als die Dämmerung die Straßen langsam mit ihrer dunklen, stu
en Fl
t zu füllen begann, war Felix fertig mit seiner Arbeit, aber fertig war er noch nicht mit dem Ding in der Tasche. Die Uhr mu
te fort, auf irgendeine Weise, fort aus seiner Tasche. Er trat in eine finstere Ecke, band das Taschentuch auf, die Uhr lag in seiner Hand. Ganz genau ging sie. Aber sie war gestohlen. Was wollte er eigentlich damit? Keinem Menschen konnte er sie zeigen, und wenn Mutter es merkte. Er konnte nicht nach Haus. Und er rannte davon, z
gerte, ermunterte sich, plötzlich stand er vor dem Haus in der Moltkestraße. ... Felix ging auf und ab, er spürte die Kühle der Steinplatten nicht an seinen nackten Füßen. Er sagte sich: Die Tür wird geschlossen sein. Er klinkte leise auf, sie war offen ... Er rannte die Treppe hinauf, bis unter die Lampe. Eine Tür ging auf, Schritte kamen herab ... Ein junger Mann kam pfeifend die Treppe herunter. Felix grü
te. "Na, junger Mann", sagte der andere
"wohin so spät
- "Zu Gesenius
stammelte Felix. - "Ganz oben." Und der Mann ging weiter, die Tür fiel zu, er wird doch nicht zuschl
ßen ... nein. Der Schwei
floss aus unerschöpflichen Quellen, als Felix an den Türen vorbeigli
. Überall t
nten die Wohnungen von den friedlichen Geräuschen des Abendbrotes. Jetzt stand er vor der Wohnung, starrte die Tür an. Dort
hinein mu
te er. Er kroch an der Tür vorüber eine Treppe höher, kauerte sich in das
unkel und wartete. Er fror. Aber er konnte nicht fort. Er hatte die Hand in seiner Tasche, h
rte die Uhr, oh, er hasste sie, am
iebsten hätte er sie durch die Gla
cheibe in die Wohnung geworfen. Da ging drinnen eine Tür auf, er hörte langsame, schlurfende Schritte auf dem Flur, sah einen Schatten hinter der Tür, sie wurde geöffnet! Ein alter, wei
haariger Mann sagte zu
emandem in der Wohnung: "Ich lasse offen ..." und ging mühs
lig, immer
fort murmelnd und seufzend, die Treppe hinab, verschwand hinter einer kleinen Tür. Felix lauschte, schlich hinab, sch
b sich durch die Tür, hatte die Uhr in der Hand, legte sie auf den Tisch, sein Herz - rie
enhaft wuchs es in ihm -, er stürzte die Treppe hinab, die Nacht umbrau
te ihn, ganz na
war er, aber die Last war er los. Er war die Last los! Nie, nie, nie wieder! Er flog durch die Nacht. Ihr Sterne dort oben, nun scheint ihr wieder für mich! Jetzt kehrte er heim - nach einem Tag ohnegleichen. Er kehrte heim.
Walter Bauer
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