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Ein kurzer Abriss der Reform von 1994 - 1999
(Quelle: http://www.schriftdeutsch.de/orth-his.htm - Stand 9.8.2006 ) sowie
die Entscheidung von 2006
| 1994 | Vertreter der Kultus- und Innenministerien Österreichs, der Schweiz und der Bundesrepublik einigen sich mit Sprachwissenschaftlern aller drei Staaten auf einen gemeinsamen Entwurf. Durch Berater sind auch Belgien, Dänemark, Italien (Südtirol), Liechtenstein, Luxemburg, Rumänien und Ungarn beteiligt. |
| 1995 | Die "Deutsche Rechtschreibung. Regeln und Wörterverzeichnis" wird veröffentlicht. Im Dezember desselben Jahres stimmen die Kultusminister und Ministerpräsidenten einer veränderten Fassung zu; sie sind vor allem gegen die eingedeutschte Schreibung von Fremdwörtern. |
| 1996 | Juli: Eine gemeinsame Absichtserklärung zur Schreibreform wird durch die zuständigen Stellen Belgiens, Deutschlands, Italiens, Liechtensteins, Österreichs und der Schweiz in Wien unterzeichnet. Juli–August: Am 2. Juli erscheint noch vor dem neuen Duden im Bertelsmann-Verlag das erste präskriptive Wörterbuch in der geplanten neuen Orthographie: Die neue deutsche Rechtschreibung . Die Umsetzung des amtlichen Regelwerkes ist jedoch fehlerhaft und inkonsequent. Am 22. August folgt die 21. Auflage des Rechtschreib-Dudens, der ebenfalls Fehler enthält. Nachdrucke des Bertelsmann-Wörterbuchs passen sich in den Folgemonaten allmählich dem Duden an. August: Zehn Bundesländer führen die neuen Regeln an den Schulen ein und schaffen so zwei Jahre vor dem vereinbarten Inkrafttreten "vollendete Tatsachen", auf die sie sich fortan berufen, um die Unzumutbarkeit der Rücknahme der Reform zu begründen. September: Die Verlage bbv und Bertelsmann verschicken 40.000 Exemplare des neuen Bertelsmann-Wörterbuchs Die neue deutsche Rechtschreibung an alle allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen. Bertelsmann wird so neben Duden der zweite deutsche Wörterbuchverlag. Oktober: Das "Institut für Demoskopie Allensbach" ermittelt, daß 75 Prozent gegen die Reform sind, 12 Prozent sich dafür aussprechen und 13 Prozent unentschieden sind. Buchmesse: Schriftsteller, Germanisten, Verleger und Journalisten fordern auf der Frankfurter Buchmesse, an der konventionellen Rechtschreibung festzuhalten. |
| 1997 | Mai: Am 14.05. spricht sich der Haushaltsausschuß des Bundestages parteiübergreifend und mit deutlicher Mehrheit gegen die Rechtschreibreform aus und der Kultusministerkonferenz die Kompetenz für die Reform der deutschen Schriftsprache ab. Die Kultusministerkonferenz beauftragt eine zwischenstaatliche Kommission für die deutsche Rechtschreibung, die Reform zu begleiten und die künftige Sprachentwicklung zu beobachten. Dezember: Die Zwischenstaatlichen Kommission macht in ihrem ersten von vier Berichten "Vorschläge zur Präzisierung und Weiterentwicklung aufgrund der kritischen Stellungnahmen zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung". Diese sind liberaler als die geplante Fassung und berücksichtigen u. a. bei der Getrennt- und Zusammenschreibung die Betonung. |
| 1998 | Februar: Die Kultusminister und das Bundesinnenministerium lehnen alle Vorschläge der Zwischenstaatlichen Kommission zur Änderung der teilweise als fehlerhaft erkannten Reform ab. März: Der Deutsche Bundestag spricht sich parteiübergreifend gegen die Reform aus. Die Bundesregierung (die alte wie die neue) ignoriert den Beschluß. April–Mai: Fast 600 Professoren der Sprach- und Literaturwissenschaften sprechen sich in einer Erklärung gegen die "Rechtschreibreform" aus. 14. Juli: Das Bundesverfassungsgericht ermächtigt die Kultusminister, die Schreibreform ohne gesetzliche bzw. parlamentarische Ermächtigung und gegen die überwiegende Ablehnung durch die Bevölkerung auf dem Erlaßwege an Schulen durchzusetzen. 1. August: Die Rechtschreibreform wird offiziell an Schulen eingeführt; bis zum 31. Juli 2005 gilt eine Übergangsfrist, bis zu der die bisherigen Schreibweisen nicht als falsch, sondern als "überholt" gelten sollen. 27. September: In einem Volksentscheid lehnt die Bevölkerung Schleswig-Holsteins die Reform ab. Daraufhin wird wieder die konventionelle Rechtschreibung gelehrt, die neue Schreibung aber toleriert. Dezember: Die deutschsprachigen Nachrichtenagenturen (AFP, AP, dpa, ddpADN, epd, KNA, Reuters, sid, vwd, APA (Österreich) und SDA (Schweiz) beschließen am 16.12.98, ab 1.8.1999 "die Reform der deutschen Rechtschreibung weitestgehend und in einem Schritt umzusetzen." |
| 1999 | Juni: Die Arbeitsgruppe der deutschsprachigen Nachrichtenagenturen bestätigt am 10.6.1999 ihren Beschluß zur Umsetzung der Reform und veröffentlicht eine überarbeitete Beispielliste der neuen Schreibweisen, die um eine Liste der feststehenden Begriffe und eine Ausnahmeliste zur Getrennt- und Zusammenschreibung erweitert wurde. ...
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| 2006 | 24. Februar: Der staatliche "Rat für deutsche Rechtschreibung" beendet auf Wunsch der Kultusminister vorzeitig seine Revision der "Rechtschreibreform". Die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Schreibweisen von Fremdwörtern und die ss -Schreibung kommen nicht mehr zur Sprache, die Groß- und Kleinschreibung wurde nur teilweise behandelt. 2. März: Die Kultusministerkonferenz (KMK) stimmt ohne Detailberatung den Vorschlägen des Rates für deutsche Rechtschreibung zu. Die Änderungen der Schulschreibung sollen vom 1. August 2006 an bundesweit umgesetzt und nach einjähriger Übergangsfrist gültig werden. 30. März: Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) billigt wie zuvor die KMK einstimmig die Änderungen der reformierten Schulschreibung. 31. Juli: Die Springer-Medien ( Bild etc.) stellen auf die zwangsreformierte Schulschreibung nach Interpretation des Duden-Verlages um. 1. August: Die korrigierte "Rechtschreibreform" tritt offiziell in Kraft. |