Die Wiener Erklärung sieht vor, daß eine Kommission von Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die Umsetzung der Reform überwacht. Diese Kommission wird dem Institut für deutsche Sprache in Mannheim angegliedert. Im August soll die 21. Auflage des "Duden" erscheinen, der die geänderte Rechtschreibung in Rotschrift aufführt.
Es ist bereits die zweite Rechtschreibreform in diesem Jahrhundert: Die Änderungen stehen am Ende einer teilweise heftig geführten Diskussion über die Frage, ob das seit 1902 geltende Rechtschreibe-Regelwerk heutigen Ansprüchen noch gerecht wird. Das Paket gilt als Kompromiß, nachdem insbesondere Vertreter deutscher Bundesländer wie Bayern weitreichendere Änderungen ablehnten; deshalb werden zum Beispiel Hauptwörter weiter groß geschrieben.
Mehrere deutsche Bundesländer wollen ebenso wie Österreich bereits ab dem kommenden Schuljahr mit der Umsetzung der Reform beginnen. In Deutschland werden also die Erstkläßler die neuen Schreibweisen als erste lernen: In Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin, Sachsen und Thüringen werden Schulanfänger mit dem neuen Schuljahr nach den reformierten Regeln unterrichtet; in sechs weiteren Bundesländern ist es den Schulen freigestellt, zumindest den Abc-Schützen nicht mehr die alten Regeln beizubringen.
Der Präsident der deutschen Kultusministerkonferenz, Karl-Heinz Reck, würdigte die Unterzeichnung des Reformdokumentes als "wichtiges, vielleicht sogar historisches Datum für die deutsche Sprachgemeinschaft". Ziel sei es, "zu einer Vereinfachung der Schreibweise beizutragen und im Laufe der Zeit entstandene Ungereimtheiten zu beseitigen", erklärte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt. Der Bundeselternrat forderte eine schnelle und bundeseinheitliche Einführung der Reform. "Überwiegend positive Auswirkungen für die Schule erwartete der Deutsche Philologenverband von der Reform. Bei Probekorrektur nach den neuen Regeln habe sich die Gesamtfehlerzahl um bis zu 40 Prozent reduziert".