Süddeutsche Zeitung vom 2. Juli 1996

Deutschsprachige Staaten einigen sich

Reform der Rechtschreibung besiegelt


Von August 1998 an sind neue Regeln für Schulen und Behörden zwingend / Für alle verbindlich erst im Jahre 2005 / In einigen Bundesländern wie Bayern lernen Erstkläßler die neuen Schreibweisen schon im nächsten Schuljahr.

Wien (AP/AFP/dpa) -Von August 1998 an werden in allen deutschsprachigen Ländern neue Rechtschreibregeln eingeführt. Eine solche Absichtserklärung unterzeichneten am Montag in Wien die Vertreter Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins. Damit wird die neue Rechtschreibung ab August 1998 in Schulen und Behörden eingeführt. Nach einer siebenjährigen

Übergangsfrist sollen die neuen Vereinbarungen grundsätzlich gelten; sie sollen einfacher sein als die alten Regeln. Das Abkommen wurde auch von vier Ländern mit deutschsprachigen Minderheiten unterzeichnet: Belgien, Italien, Rumänien und Ungarn. Angestrebt ist,daß Länder mit deutschen Minderheiten wie Frankreich und Luxemburg sich anschließen.

Wenn die neuen Regeln zur Vereinfachung der Rechtschreibung im August 1998 in Kraft treten, soll der Gebrauch der alten Rechtschreibung ab diesem Zeitpunkt zunächst als "überholt" gewertet werden; erst von August 2005 an ist das neue Regelwerk verbindlich. Neben Änderungen bei Schreibweisen und bei der Getrennt- und Zusammenschreibung werden zahlreiche Komma- und Silbentrennungsregeln ebenso entfallen wie Ausnahmen bei der Groß- und Kleinschreibung. Die wichtigsten Änderungen sind: -> Text