Zum Bericht im Straubinger Tagblatt vom 28. Juni 1996:

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Bayern prescht vor

Die Reformer haben ihre Arbeit erledigt, jetzt müssen die Lehrer und die Schüler ran. und das - zumindest in einigen Bundesländern - schon vor dem 1. August 1998. "Es macht keinen Sinn, Schülern Rechtschreibregeln intensiv beizubringen, die demnächst überholt sein werden." Kultusminister Hans Zehetmair hat ein schlagkräftiges Argument für die rasche Reform noch vor dem offiziellen Termin. Bayerns Schüler sollen so früh wie möglich mit den neuen Regeln vertraut gemacht werden. Schon im kommenden Schuljahr soll es losgehen. Wann und wie die Schulen ihre Lehrer und die ihre Schüler in die Geheimnisse des Regelwerks einweihen, bleibt allerdings den Schulen überlassen.

Und genau da fangen die Probleme an. Es gibt noch keine Bücher, in denen die Reformen bereits praktische Anwendung gefunden haben. "Wir brauchen entsprechendes Material", fordert der Landshuter Schulamtsdirektor Michael Ruhland. Das neue Regelwerk liege bisher noch nicht einmal den Lehrern vor. Bei der Abschlußkonferenz Ende des Schuljahres soll das Thema Rechtschreibreform auf den Tisch. Dann wird beraten, wie man die Umstellung organisiert.

"Unsere Lehrmittel sind noch nicht auf die neue Rechtschreibung eingestellt", kritisiert auch Dr. Friedrich Bruckner, Direktor de Hans-Carossa-Gymnasiums in Landshut. Das Info-Blatt aus dem Ministerium über die vorgezogene Einführung der Regeln flatterte erst vor wenigen Tagen auf seinen Schreibtisch. Wie man das organisatorisch umsetzen soll, weil Bruckner noch nicht genau. Handreichungen sind zumindest in Aussicht gestellt. "Knall auf Fall" soll die Umstellung von alt auf neu jedoch nicht erfolgen. Unklar ist noch, wie und wann die Lehrer sich mit den Reformen vertraut machen sollen, und ob das Ministerium Vorschläge für die Aufbereitung im Unterricht liefert. In welchem Umfang sind schulinterne Fortbildungsmaßnahmen notwendig? Das Konzept einer schrittweisen Umstellung wird in einer Fachkonferenz erarbeitet. Bruckner: "Wir müssen uns eine langsame Stratege zurechtlegen."

Übergangsfrist bis zum Jahr 2005

"Die Lehrer müssen zweigleisig denken", meint Dr. Anton Hofmann, Direktor des Hans- Leinberger-Gymnasiums. Zwar sollen sie die neuen Schreibungen forcieren, doch für acht Jahre wird auch das Nebeneinander der Formen geduldet. Bis zum Jahr 2005 wird es eine Übergangsfrist geben, während der alte Schreibungen zwar nicht als Fehler gewertet werden, doch als überholt gekennzeichnet und durch die neue Schreibung ergänzt werden.

Spätestens wenn die gemeinsame Erklärung von den drei Ländern unterzeichnet ist, wird das komplette Regelwerk im Amtsblatt des bayerischen Kultusministeriums veröffentlicht und damit allen Schulen zugänglich gemacht. Bis die neuen Schulbücher auf dem Tisch liegen, wird es noch ein paar Jahre dauern. - aw -