Filologen am Werk
Sie lassen nicht locker. Spätestens 1995, kündigten die Sprachverbesserer vor einigen Tagen an, soll die deutsche Rechtschreibung vereinfacht werden. Nachdem man ihnen ihr Lieblingsspielzeug, die sogenannte "gemäßigte Kleinschreibung", aus der Hand geschlagen hat - "gemäßigt" deshalb, weil sie, von zwei Ausnahmen abgesehen, Großbuchstaben radikal ausmerzt -, wollen sie wenigstens den Thron in einen "Tron" verwandeln und den Philosophen in einen "Filosofen". Die Konjunktion "daß" soll dem Pronomen "das" angeglichen werden. Auch das Englische, so argumentieren sie, verwende für beide Fälle ein einziges Wort ("that"). Schon in der Kampagne für die "gemäßigte Kleinschreibung" wurde das Englische wie ein Feldzeichen mitgeführt. Unterschlagen wird dabei, daß Aussprache und Schreibweise nirgendwo weiter auseinanderklaffen als gerade im |
Englischen. Das O in woman, women, God, got wird jedesmal verschieden ausgesprochen - nicht anders als die Vorsilbe "Beau-" in den Familiennamen Beaufort, Beauchamp und Beaulieu. Der Verbreitung des Englischen hat dies nicht geschadet - womit das ebenfalls gern gebrauchte Argument, unsere komplizierte Rechtschreibung schrecke Ausländer davon ab, Deutsch zu lernen, wohl erledigt wäre. Warum also das ewige Bohren? Könnte es sein, daß hier ein Reinlichkeitswahn vorliegt, wie wir ihn bei Frauen beobachten, die auch die Dachziegel ihres Hauses schrubben? Mögen sich Psychologen (Psüchologen?) dieser Frage annehmen. Gottfried Benn, kein Psychologe, wohl aber Arzt, hatte für Fälle dieser Art eine Antwort parat: "Plattdrücken ist noch keine Formgebung." Oder, wie die Amerikaner sagen: "If it ain't broken, don't fix it." J.v.U. |